Guten Morgen,
hier das Neueste aus meiner Leseecke:
Silva, Daniel: Das Moskau-Komplott; Pendo 2010; ISBN 9783866122482
Kein Engel – nur ein Spitzenagent
Es beginnt mit einem Mord an einem russischen Journalisten. Aber es zeigt sich schon bald, dass es um mehr geht, als um das übliche Maß an Geldgier, Macht und Korruption. Oligarchenfrau Elena bittet um Hilfe beim Ausstieg; Spitzenagent Gabriel wird losgeschickt. Der Mann, der in seinem anderen Leben als Restaurator tätig ist, schafft es auch, über diese Schiene den Kontakt zu Elena herzustellen. Schon bald geht es nicht nur in alle nur erdenklichen – schönen und teuren – Winkel der Welt, sondern um alles, was dem Normalbürger Albträume bereitet.
Silva legt seinen Topagenten nicht als Engel an, sondern als einen Mann, der notgedrungen seinen Job beginnt, um ihn mit gewohnter Energie durchzuziehen. Er sucht nicht die Gefahr, diese kommt von allein. Auch die anderen Hauptfiguren geraten sehr glaubwürdig. Bei den Nebenfiguren ist der Autor allerdings weniger geschickt. Elenas Leibwächter geraten sehr holzschnittartig, der Mann vom FSB wurde zwar nicht völlig aus dem Hut gezaubert, aber zu plötzlich und unvermittelt aus der dritten Reihe gezogen. Das Buch bleibt über den größten Teil hinweg sehr spannend. Nur am Schluss hapert es ein wenig: Lagert ein Oligarch wirklich eine sehr große Menge hochbrisanter Daten auf veralteten Disketten? Muss Frau Elena diese wirklich kopieren, um das Material weiterreichen zu können? Der simple Diebstahl einer externen Festplatte wäre hier glaubwürdiger gewesen.
Fazit: Trotz kleiner Mängel ein Buch, das man unbedingt lesen sollte. Handlung, Sprache und Stil überzeugen, die hochwertige Aufmachung macht das Werk zu etwas, das man getrost ins Osternest legen kann. Nichts zum Runterschlingen, aber ein Genuss für alle, die intelligente Unterhaltung lieben.