Lelord. Hector & Hector
Heile Welt und eine Figur mit mehr als nur Schönheitsfehlern
Petit Hector, sein Vater und die Maman leben in der Welt des französischen Großbürgertums, alles vom besten, nichts stört das Idyll. Das gibt Petit Hector Gelegenheit, das Leben anhand von Fragen zu lernen, die er seinen Eltern stellt. Er ist nicht gezwungen, sich wirklich dem Leben zu stellen.
So präsentiert sich ihm das Leben in Form von Lektionen, die fein säuberlich nacheinander kommen, nicht etwa in unverdaulichen Brocken oder gar als Aufgabe, die sich mit den Kräften eines Jungen in der Frühpubertät gar nicht lösen lassen. Immer sind die Eltern da, gibt es Freunde, zur Not bringt die Schule die Welt wieder in Ordnung.
Das liest sich mit einem Schmunzeln, lässt den Leser auch ein wenig träumen. Aber er kann beim Lesen nicht vergessen, dass er es nicht mit einem realen Jungen zu tun hat, der in der Welt des frühen 21. Jahrhunderts lebt. Dafür ist die Figur einfach viel zu sehr konstruiert. Wir erleben einen Jungen aus dem Bildungsbürgertum, der sich auf der einen Seite Sorgen um eine Erektion macht, aber auf der anderen Seite nicht die Weltreligionen beim Namen nennen kann, geschweige die verschiedenen christlichen Konfessionen kennt. Er muss auch mehrere Jahre die Schule besuchen, ehe er mitbekommt, dass Schulnoten etwas mit dem Geldbeutel der Eltern zu tun haben und die sozialen Schranken den Alltag und das Leben bestimmen. Wo hat der Junge vorher gelebt? Gar nicht, denn er ist – leider – nur ein Konstrukt des Autors. Und dieser hat sich nur wenig Mühe gemacht, sich in der Welt eines realen Jungen umzuschauen, ehe er das Buch schrieb.
Fazit: Philosophie Eins, Leben leider nur eine Drei Minus. Kein Buch, das ich weiterempfehlen möchte, nicht zuletzt auch mit Blick auf den hohen Preis. Edle Aufmachung ist kein Ersatz für erstklassigen Inhalt.
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Es gibt kein größeres Laster als Tugend im Übermaß.
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