Das Anthologieforum
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»... und die Welt stand still ...« | |
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WortKuss Verlag 2010 Herausgeber: Anthologieforum ISBN: 978-3-942026-12-3 Preis: 10,90 Euro (D) Zu beziehen über:
Aus dem Inhalt: |
Der Reinerlös dieser Anthologie geht an den Tierschutzverein Dachau e.V. | |
Klappentext:In einer schnelllebigen Zeit, in der sich der Globus immer rascher zu drehen scheint, sehnt sich der Mensch nach einem Moment der Ruhe und Beschaulichkeit. Was aber ist, wenn die Welt plötzlich stehen bleibt? Belauschen Sie den Tod beim Kaffeeklatsch, erkunden Sie den schier makellosen Körper einer Traumfrau oder lassen Sie sich vom Wind in ungeahnte Dimensionen tragen. Begleiten Sie ungewöhnliche Menschen, Tiere und sonstige Kreaturen an nicht immer gewöhnlichen Orten, und lassen Sie sich, fern des Alltags, von wunderbaren Geschichten verführen! Vorwort:Wenn die Welt stehen bleibt, stagniert sie. Sollte man meinen. Lernen Sie das Innenleben einer Taschenuhr kennen. Erfahren Sie, warum in einem japanischen Dorf plötzlich alles Leben erstarrt. Halten Sie inne und belauschen Sie die Gedanken Ihrer Mitmenschen. Oder erleben Sie ergreifende und erschreckende Momente mit den von unseren Autoren erschaffenen Figuren. Nahtlos reihen sich die unterschiedlichen Geschichten aneinander, verbunden durch einen Satz, der die stillstehende Welt benennt, die – so werden Sie beim Lesen merken – meist keineswegs so stillsteht, wie der erste Augenschein glauben machen will ... Die Autoren und das Herausgeberteam wünschen Ihnen viel Vergnügen und freuen sich, einen Beitrag leisten zu können, um das Tierheim Dachau e.V. zu unterstützen, dem der Reinerlös dieser Anthologie zugute kommt. Patrick Schön Leseproben:aus »Staubkörner« von Mo Kast
Sanfte Hände streicheln über meinen geschmeidigen Körper. Ich werde von liebevollen Augen betrachtet. Dieser Blick macht mich lebendig, er gibt meiner Existenz einen Sinn. Man bettet mich auf weichen Stoff. Ich gebe einen zufriedenen Laut von mir. Es ist ein schönes Gefühl, so zärtlich berührt zu werden. Eine goldene Kette schmiegt sich an mich, nur für mich gemacht. Auf Hochglanz poliert, strahle ich im Sonnenlicht. Ich bin eine Schönheit in der Blüte meines Seins. Es ist eine gute Zeit. Ich bin noch jung, bin mir sicher, ich werde nur für diesen einen Mann leben. Dieser Mann mit den langen, geschickten Fingern, die mich immer so behutsam berühren. Ich bin die Welt für ihn und er ist die Welt für mich. »Weißt du eigentlich, wie wundervoll du bist?« Seine Stimme plätschert warm über mich hinweg – so voller Liebe. Eine Liebe, die nur mir gelten kann, seinem größten Schatz. Jedes meiner kleinen Rädchen hat er mit Bedacht gewählt. Liebevoll und mit filigranem Werkzeug festgezogen. Ich bin sein makelloses Meisterstück. Mein Gehäuse aus Gold. Mein Ziffernblatt aus Elfenbein, geschützt von klarem Kristall. Die zart geschwungen Zeiger bewegen sich mit der Eleganz der Zeit. Meine kleine Krone mit einem reinen Diamant besetzt. Durch mich bekommt Vergänglichkeit das schönste Gesicht. Die Zeit fließt durch mich hindurch und verändert ihn. Erst
langsam wird mir bewusst, was es bedeutet, eine Uhr zu sein.
Ich bin sein Begleiter in den Tod. Mit jedem leisen ›Tick‹ wird
er einen Moment älter und zerbrechlicher. Es ist ein Prozess,
den ich nicht zu stoppen vermag. »Du musst immer weiterticken, hörst du? Niemals aufgeben!« Ich bin noch zu jung, um die Bedeutung seiner letzten Worte zu verstehen. [...] aus »We Sell Emotions« von Inga Westermann
›We Sell Emotions‹.
Der Text war an die Wand projiziert. In einem
warmen, tiefen Violett hoben sich die Buchstaben
von der cremeweißen Wand ab. Eine Folge von Emotionen würde von aufkeimender Erregung bis zur tiefen Befriedigung führen. Dafür wäre keine körperliche Aktivität vonnöten. Kein Partner, weder Mann noch Frau. Es gab keine Krankheiten, die aus diesem Akt entstanden. Die Implantate galten für gesunde Menschen als vollkommen unbedenklich, und Caitlins gute Konstitution war in vielfältigen Tests bestätigt worden. Der Herr im schwarzen Edelkunstfaseranzug hatte sie ›eine
ideale Kandidatin‹ genannt. Er trug bewusst keinen Kittel,
wollte keine klinische Kälte vermitteln. Das gesamte Ambiente
der Firma war auf Wellness ausgelegt. Dennoch waren
die Operationssäle absolut steril. Ein Team von Ärzten würde
den Eingriff überwachen. aus »Der Erwählte« von Abel Inkun
Zu Zeiten des großen mongolischen Eroberers Taberlan
lebte in Samarkand, der ältesten Stadt der Erde, ein
weiser Hammel. Sein Name war Ali, der Gerechte. Ali
war der Hammel des Muezzin und wohnte in einem Stall in
der Nähe der wunderbaren Bibi-Khanum-Moschee. Unbemerkt näherte sich ihnen Hassan, der jüngere Bruder
Alis. Hassan war ein heißsporniger Widder und nahm es im
Gegensatz zu Ali mit der Religion nicht so genau. Er genoss
viel lieber das Leben und machte den hübschen Frauen im
Stall schöne Augen. | |